Klänge regen die Fantasie an

Eine alte historische Wasserpumpe aus dem Dorf Tauberzell ist Teil eines neues Kunstwerkes im Park des Wildbades

ROTHENBURG – Das Wildbad ist Kunst- und Kulturort – nicht erst seitdem das Projekt „art residency“ vor drei Jahren gestartet wurde. In verschiedenen Kunstaktionen werden Kirche, Kunst und Kommunikation miteinander verknüpft. 

Die brasilianische Künstlerin Laura Belém im Wildbad-Park vor der künstlichen Grotte mit ihrer Klanginstallation. Foto: Bek-Baier

Der jeweilige Künstler bekommt Wohnraum und Verpflegung sowie Material gestellt. Das entstandene Kunstwerk verbleibt auf dem Gelände, so dass nach und nach ein Skulpturenpark entstehen soll. Nun war es an der Zeit, ein neues Kunstwerk zu enthüllen. Im Rahmen eines „Kunsttages“. Die Brasilianerin Laura Belém schuf die Klang-Installation „Das Element“. Es handelt sich um eine alte handbetriebene Wasserpumpe, die sie aus Tauberzell geholt hatte. Sie befindet sich jetzt in einer künstlichen Grotte mitten im Park des Wildbades. Die akustische Klang-installation – Töne und Worte kommen aus vier Lautsprechern – sollen eine neue Atmosphäre schaffen und Geräusche, Natur, Poesie und Raum  „verbinden und offenbaren“. Ein zentraler Satz, der das Anliegen des Kunstwerkes hervorhebt lautet: „Die Pumpe arbeitet das Tiefe empor aus der Oberfläche.“

Das Wildbad ist mehr als eine Tagungsstätte. Leiter Dr. Wolfgang Schuhmacher sprach von einem Ort der Stille und Einkehr, einem Ort des Aufbruchs, der Begegnung und der Gemeinschaft, des ethischen Nachdenkens, der Spiritualität und ganzheitlichen Lebens – „ein Lebens-ort.“ Um die Kommunikation, die von der Kunst ausgehen kann, ging es im Seminarteil des Kunsttages. Mit der Architektin, Kunsthistorikerin und Archäologin Lore Heilmann.

Die heute 83-Jährige hatte vor zwanzig Jahren über das historische Bauensemble Wildbad promoviert. Dass der Laienorthopäde und Unternehmer Friedrich von Hessing die bestehende Anlage seinerzeit grundsätzlich umbauen ließ, ist bekannt. Aber, dass die „Kalte Schwefelquelle“ bereits im 14. Jahrhundert durch den legendären Rothenburger Bürgermeister Heinrich Toppler gefasst und für die Allgemeinheit zugänglich gemacht worden ist, überraschte viele. Die Quelle soll durch ein Erdbeben 1356 zutage getreten sein.

Der frühere Staatsminister Thomas Goppel, der auch einmal Minister für Kunst gewesen war, sieht die Kirche „als Bestandteil des Themas Kultur und Kunst“. Den Reigen der Vorträge schloss der langjährige Begleiter des Wildbades und Ideengeber für das Kunstprojekt „art residency“. Helmut Braun ist Kunstreferent der evangelischen Landeskirche in Bayern und Mitglied der Jury des Projektes. Es soll sich mit dem Kunst- und Skulpturenpark in etwa zehn Jahren ein weiteres Standbein des Hauses entwickeln, das aber gleichzeitig die kirchliche Ausrichtung und die Funktion als Tagungshaus mit dem Kunstprojekt verbindet, sagte Helmut Braun. Von ihm kam der Vorschlag, Laura Belém nach Rothenburg zu holen.

Das Hören von Geräuschen der Natur hat bei der Künstlerin während ihres Rothenburg-Aufenthaltes  „eine große Rolle gespielt“. Sie hatte  etwa drei Monate in der Gipsmühle an der Tauber, die zum Wildbad gehört, gelebt. Sie ließ Architektur und Natur auf sich wirken. Irgendwann wurde ihr in ihrem künstlerischen Prozess klar, dass sie eine Installation mit „quadrophonischem Klang“, also einem Klanggeflecht aus vier Aufzeichungen schaffen möchte. Sie holte dazu den Tontechniker Rüdiger Sturm aus Nürnberg ins Boot. „Klänge, auch wenn sie nicht als Musik gedacht sind, können Stimmungen und unsere Fantasie anregen“, so Laura Belém. Die Pumpe erinnere nicht nur an den stetigen Fluss des Wassers, sondern stehe auch für die stetige Veränderung durch die Zeit.                       mbb/sis

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