Ein neues Brauhaus

Projekt-Vorschlag 3: Planungsbüro „archicult“ Roland Breunig

Rothenburg –  Eine Architektur, die so wirkt, als würde sie schon immer dazugehören, also nichts vordergründig Spektakuläres oder Gewaltiges, sondern eher dezenter und bodenständiger kommt der dritte Planungsvorschlag für das Brauhausgelände daher. Er stammt vom Würzburger Büro „archicult“ und sieht auch den Erhalt der alten Nebengebäude vor. 

Links Remise und Biergarten mit neuer Brauerei, im Zentrum das Sudhaus mit angebautem Hotel. Planung © archicult, Foto: diba

Die Würzburger verweisen auf entsprechende Erfahrungen, vor allem mit dem dortigen Bürgerbräu-Areal und setzen auf Lokalität und Emotion, denn die Rothenburger könnten sich über die Bewahrung nicht nur der Parkanlage und des Sudhauses, sondern auch der historischen Gebäude Remise und Stallung freuen, die auch Vermittler zwischen urbaner und häuslicher Maßstäblichkeit (zur Nachbar-Wohnbebauung) sein sollen. Dort werden Hausbrauerei und multifunktionale Schenke mit Biergarten bis 350 Plätze untergebracht. Das Gelände ermöglicht so ganz nach Bedarf Kulturveranstaltungen oder ein Brauhausfest im Freien.

Architekt Roland Breunig nimmt die Kubatur des einst ans Sudhaus angrenzenden großen Gebäudes wieder auf und lässt in einer Art Hufeisenform direkt anschließend ein Hotelgebäude entstehen, das trotz seiner Größe sehr zurückgesetzt und durch die holzlamellenartige senkrechte Struktur mit Zwischenräumen von 1,40 Meter für Fenster transparent wirken dürfte. Wie vorgegeben bleibt das Sudhaus im Blickpunkt und wird zu neuem Leben erweckt.

Das Hotel mit 136 Zimmern, davon vier Suiten im Dachstuhl des Sudhauses (das vier neue langgezogene Dachfenster bekäme) würde „der Stadt gut tun“, ist Architekt Breunig überzeugt. Es würde neue Gäste bringen, und auch das Restaurant mit 90 Plätzen sieht man so ausgelegt, dass genügend Hotelgäste die örtliche Gastronomie weiter nutzen. Der in sich geschlossene ein bisschen schneckenähnlich angelegte Hoteltrakt mit begrüntem Innenhof lässt alle Einrichtungen auf den Geschossen unter einem Dach erreichen, was für Logistik und natürlich auch Bauaufwand Vorteile hat. Er schließt ab mit dem separat zugänglichen Großen Saal und einem Foyer. Die Autos stehen alle in der Tiefgarage bis auf einen Angestelltenparkplatz.

Der Wellness und Spa-Bereich in den Untergeschossen ist auf 1500 Quadratmetern untergebracht und dazu soll auch medizinische Versorgung möglichst in Kooperation mit dem örtlichen Krankenhaus gehören. „Das Erbe der Stollen spür-  und erlebbar machen“, möchte Architekt Roland Breunig und sieht  den optimalen Schutz für die Fledermaus-Population vor, die man auch in der Bauphase nicht vergraulen darf.

Im künftigen restaurierten Sudhaus mit Bar, Lounge, Cafe und stilvoller Einbringung alter Technik will man einen offenen Treffpunkt für Hotelgäste mit Rothenburgern einrichten. Dazu ergänzend die neue Hausbrauerei in der Remise und Stallung, die beiden alten Walmdachgebäude ergänzen das Hauptdenkmal Sudhaus ideal mit dem zugehörigen Biergarten. Das Büro betont seine Erfahrung und Kompetenz im Denkmalschutz und Städtebau. Das Grün bleibt weitgehend erhalten mit dem Park, das statisch noch stabile Sudhaus steht im Zentrum des sich öffnenden großen Hofes. Der Neubau konzentriert sich auf der nördlichen Seite gut eingewachsen von Grün, mit sechs Meter Abstand zur Mergentheimer Straße, wo man den langgestreckten fein durch Eichenholzstreben gegliederten Baukörper um ein Geschoss zum Klingentor hin absenkt, um für bessere städtebauliche Anbindung zu sorgen.

Sehr reizvoll wirkt auch die Gestaltung der Taubertalansicht, wobei wieder ein Fußweg entlang der Brauereikeller angelegt und mit einer breiten zum Verweilen einladenden Treppe zum Hotelgelände verbunden wird. Zu den Kellern hin wurde bewusst ein Rücksprung entwickelt, der die Gebäudehöhe zum Tal hin optisch niedriger erscheinen lässt und einen Aussichtsbalkon schafft.

Das ganze Gelände könnte so zu einem kleinen Erlebnisareal vor der Klingentorbastei werden, das auf historische Bezüge viel Rücksicht nimmt und sich in die Umgebung gut einfügt. Das Büro betont, man habe die richtigen Partner sowohl bei den Investoren wie Betreibern, um das millionenschwere Projekt auch zu stemmen. Geschäftsführer Axel Jünke von der Brendal Hotel Gruppe Berlin erläuterte, man stehe mit der neuen auf Individualität ausgelegten Hotelmarke „Maxx bei Steigenberger” dazu in Verhandlung. Durch das bauliche Konzept hofft „archicult“ auch die Kosten gut im Griff zu haben.

Roland Breunig verweist auf 25 Jahre Erfahrung, komplizierte Sanierungen seien das Tagesgeschäft. Die anfänglich kritisch gesehene Bürgerbräu-Sanierung in Würzburg mit Gewerbe, Läden, Gastronomie, Biergarten und Veranstaltungsräumen wie Kulturkeller sei voll belegt und funktioniere hervorragend. Schließlich interessiere man sich schon seit zwei Jahren für die  hiesige Brauhaus-Option. Eine zur Altstadt passende Hotelanlage, die „ein Stück Identität schafft“, möchte Architekt Roland Breunig gerne entstehen lassen – außerdem würde ihm und dem Team „diese Aufgabe richtig Spaß machen”, betont er.                     diba

Ein Kommentar zu Ein neues Brauhaus

  1. Emanuel Andres sagt:

    Höchste Zeit für die Kulturstadt Rothenburg ein modernes und international mithaltendes Hotel zu bekommen !
    Rothenburg darf nicht den Puls der Zeit verschlafen und muss an Morgen denken .-
    Wer nicht mit der Zeit geht wird mit der Zeit gehen .

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