Riesenschritte vorwärts

In der Obermühle bei Bettenfeld hat sich inzwischen eine ganze Menge getan

BETTENFELD – Da konnte die Delegation des Taubermühlenvereins bei ihrem Besuch vor Ort nur staunen: In Jahren intensiver Arbeit und mit viel finanziellem Aufwand sind in der Obermühle bei Bettenfeld Riesenschritte gemacht worden auf dem Weg, sie zum Vorzeigestück althergebrachter Mühlenbautechnik für die jüngere Generation zu machen.

Erfreute Gesichter am Mühlstein mit der Informationstafel Obermühle: von links Peter Bücker, Lothar Schmidt, Alexander Lang und Susanne Schubert. Fotos: Weber

Insgesamt 150000 Euro hat der angehende Betriebswirtschaftler Alexander Lang (33) bisher in sein großes Projekt gesteckt und damit nicht nur viel investiert, sondern schon eine ganze Menge bewegt.  Ihm gehört die Obermühle an der Schandtauber. Bis 1996 wurde sie von seiner Familie betrieben. Sie wäre nun über kurz oder lang dem Verfall preisgegeben gewesen, wenn er nicht als Erbe alles auf eine Karte gesetzt hätte.

Es galt die Gebäude zu sichern, besonders aber auch die darin enthaltene, althergebrachte Technik zu erhalten und wo nötig vorsichtig zu ergänzen. In Eigenleistung ist das Dach der Scheune gedeckt und das Fachwerk komplett wiederhergestellt worden. Außerdem gab es für die Fassaden von Haupt- und Nebengebäude eine Auffrischung mit farblicher Gestaltung der Gefache und neuem Anstrich für die Holzteile.
Eines Tages soll die enthaltene Innenausstattung – von Fachleuten als große Kostbarkeit und Beispiel für die nur noch selten vorhandene ursprüngliche Dreieinigkeit (Wasserrad, Kammradgetriebe und Natur-steinmahlgang) gelobt – zu Schauvorführungen genutzt werden. Um dem Nachwuchs und auch interessierten Älteren zu zeigen, wie es Jahrhunderte früher zuging in einer Mühle und wie dort im wahrsten Sinne des Wortes ein Zahn in den anderen gegriffen hat.
Noch original
Warum sich die Obermühle bei Bettenfeld besonders dafür anbietet, begründet – nach bereits existierenden Experten-Gutachten – auch die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) e.V. und der Bayerische Landesverband.
In einer Stellungnahme von Vorstandsmitglied Wolfgang Kleinknecht heißt es, die mühlentechnische Einrichtung sei äußerst selten und deshalb auch im denkmalpflegerischen Sinne besonders schützenswert gewordenes Zeugnis des  vorindustriellen,  auf  Erfahrung  und  auf  von  Generation  zu  Generation überliefertem Fachwissen ruhenden handwerklichen Mühlenbaus.
Wesentliche Elemente: oberschlächtiges Wasserrad, Wellbaum mit Kammradgetriebe, zwei auf Steinwinkeln lagernde Steinmahlgänge und Beutelkasten. Die nachträgliche Umrüstung des Kammradgetriebes auf das seit 1850 allgemein übliche, zwar technisch aufwändigere, aber unproblematischere Kegelradgetriebe war bei der Obermühle unterblieben.

Mit aufgefrischtem Fachwerk: das Mühlengebäude (links) und die neu mit Ziegeln gedeckte Scheune.

Der mühlentechnischen Einrichtung wird gar überregionale Bedeutung zugeschrieben. Sie präsentiere in ihrer Geschlossenheit einen wichtigen, über Jahrhunderte hinweg gültigen Entwicklungsabschnitt des mitteleuropäischen Mühlenbaus, folgert Wolfgang Kleinknecht.

Konkreten Handlungsbedarf hatte Wolfgang Kleinknecht vorab beim Beutelkasten attestiert. Im Lauf der Zeit waren Teile davon abhanden gekommen. Außerdem bei den beiden Mahlgangstrichtern, den Rüttelschuhen, den Zargen und auch bei den Holzkämmen des Kammradgetriebes.
In Karl Neumeyer wurde ein Experte und Praktiker gefunden, der nicht nur wertvolle Tipps geben konnte, sondern selber mit Hand anlegte. Der Einsatz des früheren Mitarbeiters des Fränkischen Freilandmuseums Bad Windsheim, der dort unter anderem beim Wiederaufbau der Unterschlauersbacher Mühle mitwirkte, sorgte nicht zuletzt dafür, dass sich die Kosten im überschaubaren Rahmen hielten.
Die bisherige Sanierung mit Sicherung und Stabilisierung der Gebäude ist vom Landesamt für Denkmalpflege, vom Bezirk Mittelfranken und vom Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken mit Zuschüssen unterstützt worden. Bei der Instandsetzung der Biet (Mahlbühne)  griff der Taubermühlenverein unter die Arme.
Größte Herausforderung sind jetzt noch die dort benötigte Kleinkläranlage mit einem geschätzten Investitionsbedarf zwischen 35000 und 40000 Euro  und die Instandsetzung des maroden Wasserrads (aus Metall). Eine komplette Inbetriebnahme der Mühle mit beiden Mahlgängen samt der Wasserräder  würde nochmal rund 70000 Euro verschlingen, rechnet Alexander Lang hoch:  „Dies wäre auch in zwei Schritten möglich.“
Bis zum Backen
Ausdrücklich lobt er die bisherige gute Förderung seines Projektes und auch die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Rothenburg, wünscht sich auch für alles weitere entsprechende Begleitung. Er misst seinem Vorhaben auch öffentliches  Interesse bei.
Wolfgang Stragosch, Historischer Mühlenbauer mit Handwerksrolleneintrag und als „Mühlenpapst“ bekannter aktiver Müller, schlägt vor, nach erfolgreicher Restaurierung die Obermühle zum historischen, erlebnispädagogischen Demonstrationsobjekt einer Altdeutschen Mühle von herausragender Qualität zu machen. Er regt Schaumahlen für Wandergruppen und Schulklassen an. Darüber hinaus ließe sich nach seiner Überzeugung auch denken, dass aus dem erzeugten Mehl oder Vollkornmehl Fladen auf einer Steinplatte über offenem Feuer gebacken werden.
In der Obermühle ist unter anderem auch die Galerie neu bebrettert worden. Dort waren einst die mit Namen beschrifteten Mehl- und Getreidesäcke bis zur Verarbeitung beziehungsweise Abholung gelagert. Zwischen den Mahlgängen mit ihren Beutelkästen hat sogar ein Galgen, der zum Herausheben und Nachschärfen der Mühlsteine gebraucht wird, wieder seinen Platz gefunden. Er fehlte, als Alexander Lang mit seinem Projekt begann.
Im Taubermühlenverein ist die Freude groß über die Aktivitäten in und an der Obermühle. Vorsitzender Lothar Schmidt und Schriftführer  Peter Bücker gratulierten Alexander Lang und dessen Mutter Susanne Schubert bei ihrem jüngsten Besuch.    Christian Kleinschroth, Besitzer der Schwarzenmühle bei Detwang, hatte  einen alten Trichter mit Gosse zum Einfüllen des Getreides mitgebracht. Er wurde bis zur Entscheidung über seine Verwendung in der Scheune zwischengelagert.
Oft sind es wichtige Details, die noch fehlen. Alexander Lang ist beispielsweise  dringend auf der Suche nach jenen textilen Teilen, die jeden Beutelkasten perfekt machen: Beutel. Die waren in der Obermühle entweder gar nicht mehr vorhanden oder in solchem Zustand, dass sie sich nicht mehr verwenden lassen.   -ww-

 

 

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