Seltene Ausnahme

Junge Frau in typischer Männerdomäne anerkannt

ROTHENBURG – In dem männerdominierten Beruf des Zimmerers ist die gebürtige Rothenburgerin Isabell Wunderlich die sehr seltene Ausnahme. „Ich war sehr stolz auf mich, als ich meinen Gesellenbrief in der Hand gehalten habe“, sagt die 20-Jährige.

Isabell Wunderlich fährt gern Motorrad und hat das Zimmererhandwerk gelernt. Foto: privat

Aufgewachsen ist Isabell Wunderlich in Oberdachstetten. Ihre Mittlere Reife hat sie in der Wirtschaftsschule Ansbach absolviert. Danach führte sie ihr Weg ins Zimmerergewerbe: „Ich wollte einen Beruf, in dem ich draußen arbeiten kann. Büroarbeit kam für mich nie in Frage.“ Sie absolvierte zunächst ein Praktikum bei der Firma Krauß in Schwabsroth, wo auch ihr Onkel als Zimmerer arbeitet. Der Umgang mit dem Werkstoff Holz gefiel ihr: „Ich hatte schon immer Spaß am handwerklichen Arbeiten.“

Die anspruchsvollen Aufgaben oben auf dem Gebälk, die bei Wind und Wetter ausgeübt werden und körperlich anstrengend sind, schreckten sie nicht. Im Gegenteil.  Die junge Frau liebt Herausforderungen und kennt keine Höhenangst. Mit den männlichen Kollegen gab es eine angenehme Zusammenarbeit: „Sie haben mir desöftern geholfen, weil doch manche Balken zu schwer waren.“
Die Ausbildung dauerte drei Jahre und ist in zwei Stufen unterteilt. Das gesamte erste Jahr verbrachte die künftige Gesellin auf der Schule. Erst danach begann die Arbeit  im Ausbildungsbetrieb – im Wechsel mit Blockunterricht in der Berufsschule Neustadt an der Aisch. In der Klasse war Isabell Wunderlich das einzige Mädchen.
Ihr Arbeitgeber, der in vierter Generation geführte Familienbetrieb Krauß, war voll des Lobes über die tüchtige Mitarbeiterin. Die junge Frau hat konkrete Pläne, was ihre weitere Zukunft anbelangt. Sie besucht inzwischen die Berufsoberschule in Ansbach und macht ihr Abitur nach, damit sie später Architektur oder Bauingenieur studieren kann.  Für diese Studiengänge ist es sinnvoll, Praxiserfahrung mitzubringen, „weil man dann Ahnung hat, wie es auf dem Bau läuft.“
Isabell Wunderlich fährt gern Motorrad und liest viel. In ihr steckt auch eine Ballerina, die anmutig übers Parkett schweben kann. Sie hat dreizehn Jahre lang Ballett getanzt und dabei Leichtigkeit und Balance trainiert. sis

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